Dr. Martin Scharf Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie, 1060 Wien

Gastroskopie / Endoskopie Wien - Dr. Scharf
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Leaky gut Syndrom

Die Schleimhäute des Verdauungstraktes vom Mund bis zum After stellen eine Barriere gegenüber schädlichen Umwelteinflüssen wie Bakterien, Viren und Umweltschadstoffen dar. So sollen die lebensnotwendigen Nährstoffe aus der Nahrung entzogen werden, unverdauliche Nahrungsbestandteile sollen ausgeschieden werden.

Struktur der Darmschleimhautbarriere

Die äußerste Schicht ist eine Schleimschicht, die einen hohen Anteil von Fetten, insbesondere von Lecithin, enthält. Auf dieser Schleimschicht perlen wasserlösliche Schadstoffe ab und können nicht durch die Schleimschicht hindurch dringen.

Die darunter liegenden Schleimhautzellen sind mit sogenannten „tight junctions“ (engen Verbindungen, Funktionseiweißen) miteinander verbunden. Durch die intakte Schleimhaut hindurch finden aktive, fein regulierte Transportprozesse statt.

Vor allem im Bereich des Dünndarms sind multiple Strukturen und Elemente des Immunsystems hinter der Schleimhaut lokalisiert. Der gesamte Darm stellt das größte Immunorgan des menschlichen Körpers dar.

Die Bakterienmasse des Darms ist hauptsächlich im Dickdarm, aber auch im Dünndarm lokalisiert. Die Bakterienmasse umfasst mehr als 1000 verschiedene Mikroorganismen und ist noch nicht vollständig erforscht. Die Darmbakterien haben 100 mal mehr Gene als der Mensch. Anstelle des früheren Begriffs Stuhlflora wird zunehmend die Bezeichnung Mikrobiota verwendet. Die Mikrobiota haben vielfältige Funktionen. Neben Abbau unverdauter Nahrungsbestandteile stimulieren Bakterien auch die Bildung bestimmter Abwehrstoffe (antimikrobielle Peptide, z.B. Defensine) in den Schleimhautzellen. Auch Vitamine werden von Darmbakterien gebildet. Die Bakterien bilden aus Kohlenhydraten kurzkettige Fettsäuren, die der Darmschleimhaut Nahrung geben.

Die Stuhlflora wird längerfristig auch durch die Zusammensetzung der Nahrung beeinflusst. Innerhalb von Familien finden sich ähnliche Bakterienmuster. Je nach Zusammensetzung der Mikrobiota unterscheidet man verschiedene Enterotypen („Darmtypen“).

Durch eine Vielzahl von Stör- und Schädigungsfaktoren kann es zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Schleimhaut kommen. Der daraus resultierende undichte oder lecke Darm („leaky gut“) kann, bei entsprechender genetischer Prädsiposition, vielfältige Beschwerden, Störungen und Erkrankungen auslösen.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) entstehen möglicherweise auf der Grundlage von Barrierestörungen in Kombination mit weiteren Faktoren wie Vererbung.

Die Schleimschicht bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist dünn, die Bakterien dringen bis zu den Schleimhautzellen vor, durchdringen diese und führen zu einer Entzündungsreaktion. Defekte von Immunmechanismen, ein Ungleichgewicht zwischen Immuntoleranz und Abwehr und eine veränderte Bakterienflora sind ebenfalls nachweisbar.

Ursachen für Schleimhautbarrierestörungen bei leaky gut Syndrom

  • Infektionen (Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten),
  • Medikamente (Antibiotika, Chemotherapeutika, entzündungshemmende Medikamente), Röntgenstrahlung
  • Gifte (Rauchen, Alkohol, Schwermetalle, Umweltschadstoffe),
  • chronische Entzündungen,
  • schlecht eingestellter Diabetes mellitus,
  • zuckerreiches Essen, hohe Zufuhr von gesättigten und Omega 6-Fettsäuren,
  • veränderte Zusammensetzung der Gallensäuren.

Ist die Darmschleimhaut erst einmal undicht geworden, können sich im Bereich des Dünndarms chronische Immunreaktionen auf Lebensmittel entwickeln. Diese Immunreaktionen schädigen die Schleimhaut immer weiter im Sinne eines Teufelskreislaufs.

Mögliche Folgen von leaky gut Syndrom

  • Chronische Bauchbeschwerden (Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Bauchkrämpfe, Völlegefühl, Reizmagen und Reizdarm),
  • Fehlregulationen des Immunsystems
  • Entstehung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen,
  • vermehrte Aufnahme von Umweltschadstoffen
  • Belastung der Leber (NASH), Adipositas

Mögliches Auftreten von Fernwirkungen bei Freisetzung von Histamin im Rahmen von Nahrungsmittelallergien oder (selten) durch histaminbildende Bakterien:

  • Juckreiz,
  • Migräne,
  • Atemwegsbeschwerden,
  • Ödeme,
  • Herzrhythmusstörungen
  • Bluthochdruck, niedriger Blutdruck,
  • psychische Veränderungen („Gut-Brain-Axis“ = Verbindungsachse Darm-Gehirn: Veränderungen des Serotoninstoffwechsels, Depression, ADHS, Burnout);

Diagnostik des leaky gut Syndroms

Vielfältige Faktoren müssen systematisch abgeklärt werden:

Allergien, Enzymdefekte, Entzündungen, Schleimhautschäden, Infektionen, Mikrobiotastörungen, Funktionsstörungen von Verdauungsorganen, Immundefekte, Tumoren.

Zur Diagnose bei Schleimhautbarrierestörungen hat sich die Stuhl-und Blutdiagnostik bewährt.

Hier werden Parameter wie Alpha-1-Antitrypsin, Calprotectin, sekretorisches IgA, Zonulin, Histamin und verschiedene Funktionsparameter bestimmt.

Therapie des leaky gut Syndroms

Die Therapie basiert auf den individuell erhobenen Befunden.

  • Gabe von dünn- und dickdarmwirksamen Probiotika,
  • Verabreichung von L-Glutamin und Lecithin bzw. Phosphatidylcholin zur Abdichtung der Schleimhäute,
  • Ernährungsumstellung auf der Basis bestehender Unverträglichkeiten und Allergien

Die Grundlage jeder Diagnostik und Therapie ist der schulmedizinische Ausschluss organischer Erkrankungen mittels Labor, Bildgebung, Gastroskopie (Magenspiegelung), Koloskopie (Darmspiegelung) sowie Allergie – und Atemtesten.