Dr. Martin Scharf Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie, 1060 Wien

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Alkohol und Krebs – die unterschätzte Gefahr: Für sieben Tumorlokalisationen gibt es einen direkten Zusammenhang (Stephanie Lavaud, 11.8.2016 Medscape)

Die Ärztin und Epidemiologin Prof. Dr. Jennie Connor von der Abteilung für Sozial- und Präventionsmedizin, Universität Otago, Neuseeland, gibt in der Zeitschrift Addiction – unter der Rubrik „In der Debatte“ – ein eindeutiges Statement ab: „Ja“, bestätigt sie, „wir haben inzwischen genug Beweise, um sagen zu können, dass Alkohol die direkte Ursache für das Auftreten von sieben verschiedenen Krebsarten ist: für das Oropharynx- und Larynxkarzinom, Oesophagus-, Leber-, Kolon- und Rektumkrebs sowie das Mammakarzinom.“ [1]

Sie bemängelt allerdings, dass die Öffentlichkeit darüber unzureichend und verwirrend informiert sei und fordert – vor allem von den Ärzten – eindeutigere Aufklärung. In vielen Publikationen, so kritisiert sie, werde der kausale Zusammenhang heruntergespielt oder es werde mit unklaren Formulierungen und Vergleichen eher noch mehr Verwirrung gestiftet. Es erfolge keine objektive Abwägung von Nutzen und Risiko des Alkoholkonsums – und zum Teil werde dieses schiefe Bild auch von der Alkoholindustrie gestützt.

Wir haben inzwischen genug Beweise, um sagen zu können, dass Alkohol die direkte Ursache für das Auftreten von sieben verschiedenen Krebsarten ist (Prof. Dr. Jennie Connor).

2 aktuelle Studienpublikationen, in denen es darum geht, den mit dem Alkoholkonsum verbundenen Risiken vorzubeugen – eine in Englisch, eine in Französisch – unterstützen die Position von Connor.

Krebs und Alkohol – die Beweise mehren sich

Fast täglich liefern neue Studien Daten, die die epidemiologische Evidenz erhärten. Inzwischen seien die Daten ausreichend, um eindeutig zu bestätigen, dass Alkoholkonsum eine direkte Ursache von 7 Krebslokalisationen darstelle, stellt Connor fest: des Mund- und Rachenraums, des Kehlkopfes, der Speiseröhre, der Leber, des Kolons und Rektums sowie der weiblichen Brust. Dies sei das Fazit von jahrzehntelanger Forschung – und werde auch durch aktuelle Analysen und Metaanalysen bestätigt. Die Assoziation Alkohol-Krebs sei dabei dosisabhängig – linear oder exponentiell – und auch bei geringem und moderatem Alkoholkonsum nachweisbar.

Nach Angaben der Wissenschaftlerin ist es von der Lokalisation abhängig, wie ausgeprägt der Zusammenhang tatsächlich ist: stark für den oberen Gastrointestinaltrakt (relative Risikoerhöhung um das 4 bis 7-Fache bei einem Konsum von 50 g Alkohol pro Tag im Vergleich zu einem Nicht-Trinker), weniger ausgeprägt für das Kolon, das Rektum, die Leber und die weibliche Brust (relatives Risiko ca. 1,5 bei 50 g Alkohol pro Tag oder mehr).

Das mit dem Alkoholkonsum assoziierte Risiko ist im Übrigen reversibel, wenn man mit dem Trinken aufhört. Aus gepoolten Analysen lasse sich auch schließen, dass das Risiko für Oesophaguskarzinome und Karzinome des Kopfes und Halses über die Jahre des Konsums zunehme, danach aber wieder abnehme und nach rund 20 Jahren Abstinenz wieder auf dem Niveau eines Nicht-Trinkers sei. Für die Leber gibt es eine Metaanalyse, die ebenfalls auf eine mögliche Reversibilität hindeutet, nach der das Risiko eines hepatozellulären Karzinoms nach dem Alkohol-Stopp um 6 bis 7% pro Jahr abnimmt und nach etwa 23 Jahren wieder auf dem Niveau des Nichttrinkers ist.

Schon leichter oder moderater Alkoholkonsum reicht aus, um das Risiko zu erhöhen. Eine englische Studie, basierend auf der Kohorte der United Kingdom’s Million Women mit 7 Jahren Follow-up zeigt, dass Frauen, die zwischen 70 und 140 g Alkohol pro Woche trinken (entspricht etwa 7 bis 14 Getränken) ein um etwa 5% erhöhtes Krebsrisiko haben (im Vergleich zu denjenigen, die weniger als 20 g wöchentlich konsumieren) und ein um 13% höheres Risiko für Brustkrebs.

Und schlussendlich geht es nicht nur um diese 7 Krebsarten – auch bei anderen Lokalisationen häufen sich die Hinweise darauf, dass Alkohol ursächlich zur Krebsentstehung beiträgt – etwa beim Pankreas, der Prostata und dem Melanom.

Zusammenhang wird oft heruntergespielt

Jedoch Connor beschränkt sich nicht darauf, den Zusammenhang zwischen Alkohol und Krebs – der auch nicht vollkommen neu ist – aufzuzeigen. Sie kritisiert in ihrem Statement vor allem, „dass diese Assoziation häufig heruntergespielt, als „Link“ verharmlost werde, in den Medien oft von Krebs, „im Zusammenhang mit Alkohol“ die Rede sei oder von „Effekten des Alkohols auf das Krebsrisiko“. All dies schwäche den ursächlichen Zusammenhang ab und werde als „eher ungesichert“ interpretiert. Unter Gesundheitsexperten, Journalisten und in der Öffentlichkeit gebe es vor allem 2 Aspekte, die eine Quelle der Verwirrung darstellten: die Kausalität und die Qualität der Evidenz, erläutert sie.

Zum Beispiel kann die Tatsache, dass man die exakten biologischen Mechanismen nicht kennt, über die Alkohol Krebs verursacht, auch so interpretiert werden, dass dies dem Umstand widerspricht, dass es tatsächlich einen Zusammengang gibt“, sagt sie. „Auch die Tatsache, dass Tumore dieser Lokalisationen auch andere Ursachen haben können, sehen viele als Schwächung der Assoziation mit Alkohol.“

Die Lösung, die … darin bestünde, den Alkoholkonsum einzuschränken, betrachten viele als inakzeptabel (Prof. Dr. Jennie Connor).

Analog werde der Zusammenhang z.B. als weniger eng betrachtet als etwa beim Rauchen und Lungenkrebs. „Die Rolle des Alkohols wird oft viel komplexer gesehen als die des Tabakrauchs.“ Und: „Die Lösung, die – ebenfalls analog zum Rauchen – darin bestünde, den Alkoholkonsum einzuschränken, betrachten viele als inakzeptabel.“

Unter den weiteren Faktoren, die zur Verwirrung beitragen, sei auch der Umstand, dass einige Tumorlokalisationen nur wenig oder gar nicht beeinflusst werden. Das gilt etwa für das Adenokarzinom des Magens, Endometriumkrebs oder das Harnblasenkarzinom. Es stelle sich natürlich die Frage, warum Alkohol Krebserkrankungen in bestimmten Lokalisationen fördere, in anderen jedoch nicht. Auch diese Heterogenität schwäche die Aussage: „Alkohol verursacht Krebs.“

Und nicht zu vergessen: Alkohol als Ursache von Krebs konkurriert mit Berichten, dass Alkohol eine protektive Wirkung bei kardiovaskulären Erkrankungen habe – eine Aussage, die Connor aber eher bezweifelt und auf Störfaktoren der epidemiologischen Studien zurückführt – die Daten dazu seien nicht eindeutig, betont sie.

Die Wissenschaftlerin räumt auch ein, dass die epidemiologischen Beobachtungsstudien, auf denen die Daten zum Zusammenhang von Alkohol und Krebs fußen, natürlich nicht geeignet sind, um tatsächlich eine kausale Assoziation zu beweisen. Es sei schwierig, eine direkte Beziehung zu belegen. Aber sie beklagt eine allgemeine Stimmungslage, „die Forschungsarbeit und die Wissenschaftler auf diesem Sektor zu diskreditieren und die Daten in der Öffentlichkeit zu vernebeln“.

Und sie weist mit dem Finger auf die Alkoholindustrie. Diese setze sich nicht damit auseinander, dass keine Argumente oder Beweise existierten, dass es einen im Hinblick auf das Krebsrisiko unschädlichen Level das Alkoholkonsum gebe.

Verantwortung zu informieren

Die französische Association nationale de prévention en alcoologie et addictologie (ANPAA) hat in einer Veröffentlichung auf Connors Analyse reagiert und wendet sich darin ebenfalls gegen Falschaussagen, wie sie sich z.B. auf der Seite der Alkohol-Lobby Vin & Société finden: „Es gibt einen Konsens über einen Benefit von moderatem Weinkonsum auf das Auftreten von Kolorektal- und Ösophaguskrebs“, heißt es dort. „Solche völlig falsche wissenschaftlich nicht haltbare Behauptungen zielen darauf ab, die Gefahren von Alkohol herunterzuspielen und die wirtschaftlichen Interessen der Industrie auf Kosten der wissenschaftlichen Wahrheit und der Gesundheit der Bevölkerung zu schützen“, unterstreicht die ANPAA.

In einer weiteren Veröffentlichung verweist Colin Shevills von der Alkohol Health Alliance in Großbritannien auf einen interessanten Aspekt in der Publikation der neuseeländischen Ärztin, wonach nur „einem von zehn Befragten der Zusammenhang zwischen Alkohol und Krebs bewusst ist“. Die Menschen hätten das Recht, über die Auswirkungen von Alkohol auf ihre Gesundheit Bescheid zu wissen, und dazu gehöre auch die Assoziation mit Krebs, betont die britische Gesundheitsorganisation. „Nur so können die Menschen auch informierte Entscheidungen treffen, über die Menge an Alkohol, die sie konsumieren“ – und die Regierung habe eine Verantwortung, darüber zu informieren.

Dieser Artikel wurde von Sonja Böhm von http://francais.medscape.com/voirarticle/3602573 übersetzt und adaptiert.

13.000 Krebserkrankungen in Deutschland durch Alkohol?

In einer aktuellen Pressemitteilung nimmt auch die Deutsche Krebsgesellschaft zu der Diskussion um Krebs und Alkohol Stellung. Sie verweist auf eine in „Cancer Causes and Control“ erschienene Publikation, nach der etwa 3% aller Krebsfälle in Deutschland auf den Konsum von Alkohol zurückzuführen sind. Dies entsprach im Jahr 2010 etwa 13.000 Krebserkrankungen. Der engste Zusammenhang bestehe mit dem Ösophaguskarzinom.

Auch die Deutsche Krebsgesellschaft weist darauf hin, dass schon moderate Mengen Alkohol ausreichen, um das Krebsrisiko zu erhöhen – und dass eine eindeutige Dosis-Wirkungsbeziehung besteht.

Ethanol selbst sei vermutlich nicht krebserregend, heißt es in der Mitteilung. Doch werde der Alkohol im Körper zu Azetaldehyd oxidiert, das wiederum wahrscheinlich krebsauslösend wirke. Auch werde angenommen, dass Alkohol die Kanzerogenität anderer Substanzen fördern könne – für Lokalisationen der Mundhöhle, des Rachens und der Speiseröhre seien solche ko-kanzerogenen Effekte von Alkohol nachgewiesen.

REFERENZEN:

 

  1. Connor J: Addiction (online) 21. Juli 2016

 

Der gesunde Lebensstil mit Reduktion/Meiden von Alkohol und Nikotin, ausgewogener gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung kann das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Krebserkrankungen senken.
Magenspiegelung (Gastroskopie) und besonders die Darmspiegelung (Koloskopie) können gutartige Polypen und Frühformen von Krebserkrankungen (Ösophaguskarzinom, Magenkrebs und Darmkrebs) entdecken und damit heilbar machen.
In unserer Ordination bieten wir die sanfte Gastroskopie und sanfte Koloskopie mit Sedierung (Dämmerschlaf) an; der Patient ´verschläft´ dabei seine Untersuchung (Dr. Martin Scharf).