Dr. Martin Scharf Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie, 1060 Wien

Gastroskopie / Endoskopie Wien 1060 - Dr. Scharf
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Die neue Leitlinie 2016 zu Helicobacter pylori: Aktualisierte Antworten, wer getestet und bei wem eradiziert werden sollte (Sonja Böhm, Medscape, Deutsche Gesellschaft für Inerere Medizin 2016)

Mannheim – Auch wenn die Infektionsraten in den letzten Jahren gefallen sind, kann davon ausgegangen werden, dass in Deutschland nahezu jeder 2. Erwachsene mit Helicobacter pylori infiziert ist. Bei Immigranten kann die Prävalenz sogar bis zu 86% betragen. Aber bei welchen Patienten lohnt es, nach dem Magenkeim zu suchen – und in welchen Fällen ist dann eine Eradikationstherapie indiziert?

Unter anderem diese Fragen beantwortet die neue S2k-Leitlinie, die die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Zusammenarbeit mit zahlreichen anderen Fachgesellschaften Anfang 2016 aktualisiert hat. Erstautor Prof. Dr. Wolfgang Fischbach, Medizinische Klinik II, Klinikum Aschaffenburg, stellte die wichtigsten Aspekte und Neuerungen beim Internistenkongress in Mannheim vor [1].

Testung auf den Magenkeim nur, wenn bei positivem Befund auch eradiziert wird!

Eine Kernaussage: Bevor auf den Magenkeim getestet wird, muss klar sein, dass ein positiver Befund auch Konsequenzen zeitigt. Der Gastroenterologe betonte: „An erster Stelle steht die individuelle Entscheidung zur H. pylori-Eradikation (antibiotischen Behandlung) im Falle eines positiven Keimnachweises. Erst danach folgt der Test auf H. pylori!“ Und: „Eine Eradikation setzt eine Indikation voraus!“

Aber was sind die aktuellen, durch Evidenz gedeckten Indikationen? Die Leitlinie unterteilt die Empfehlungen in 3 Kategorien: „kann“ (Empfehlung offen), „sollte“ (Empfehlung) und „soll“ (starke Empfehlung).

Indikationen zur H. pylori-Eradikation

SOLL
Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni, MALT Lymphom, vor ASS/NSAR-Thrapie bei Ulcus-Anamnese,
Obere GI-Blutung unter ASS/NSAR, Immunthrombozytopenie

SOLLTE
Magenkarzinom-Prophylaxe, Menetrier-Syndrom, lymphozytäre Gastritis

KANN
Dyspepsie, ungeklärte Eisenmangelanämie, diffus großzelliges B-Zell-Lymphom

Dyspepsie – was bringt die Eradikation?

Die wohl größte Patientengruppe, bei der sich die Frage zur Indikation stellt (und schwierig zu beantworten ist), sind Patienten mit funktioneller Dyspepsie und H. pylori-Infektion. Für diese Gruppe gibt es in der Leitlinie eine „Kann“-Empfehlung. Das heißt, die Entscheidung sollte individuell gemeinsam mit dem Patienten gefällt werden. Darüber herrschte unter den Leitlinien-Autoren ein „starker Konsens“, wie Fischbach berichtete. Und was bringt die Eradikation in diesen Fällen? „Mit einer anhaltenden Symptombesserung ist in bis zu 10 Prozent zu rechnen, die NNT (number needed to treat) beträgt eins zu zwölf“, informierte der Gastroenterologe.

Magenkarzinom-Prophylaxe ist nun explizit empfohlen

Eine weitere Indikation: die Magenkarzinom-Prophylaxe bei Risikopersonen. Sie ist in der neuen Leitlinie von einer „Kann“- zur „Sollte“-Indikation hochgestuft worden, da H. pylori einen wesentlichen Risikofaktor für das Magenkarzinom darstellt, wie die neue Leitlinie konstatiert. Und die Eradikation von H. pylori hat grundsätzlich das Potenzial, die Entstehung eines Magenkarzinoms zu verhindern. Zu den Risikopersonen zählen z.B. Verwandte 1. Grades von Magenkrebs-Patienten, solche mit Risikogastritis oder früheren Magenneoplasien oder Menschen unter Dauertherapie mit einem Protonen-Pumpen-Inhibitor (PPI).

Ebenfalls hochgestuft – von „Kann“ zu „Soll“ – wurden in der neuen Leitlinie die Indikationen vor einer geplanten Dauertherapie mit NSAR oder ASS (bei Ulkusanamnese). Diese Patienten sollten vor der Langzeittherapie auf H. pylori getestet werden, um bei Keimnachweis eine Eradikation vorzunehmen.

Der Therapieerfolg sollte überprüft werden – und zwar frühestens 4 Wochen nach Ende der Antibiotika-Gabe und 2 Wochen nach Absetzen einer PPI-Therapie. War die Eradikation erfolgreich, wird die routinemäßige Suche nach einer Re-Infektion nicht empfohlen, so Fischbach.

Nicht jeder mit Helicobacter pylori infizierte Mensch muss behandelt werden. Die Entscheidung ob getestet bzw. behandelt wird, sollte mit Ihrem Gastroenterologen diskutiert werden.
Die Testung sollte im Rahmen einer Magenspiegelung (Gastroskopie) mittels Gewebeproben durchgeführt werden, da nur im Rahmen der Gastroskopie zusätzliche Informationen zur Behandlungsindikation zugänglich sind.

In unserer Ordination wird die Gastroskopie (Magenspiegelung) als sanfte Gastroskopie durchgeführt, die meisten Patienten „verschlafen“ ihre Untersuchung

(Dr. Martin Scharf).